{"id":21,"date":"2021-08-19T08:34:40","date_gmt":"2021-08-19T08:34:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/?page_id=21"},"modified":"2021-08-30T06:43:50","modified_gmt":"2021-08-30T06:43:50","slug":"gerstein-bericht","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/gerstein-bericht\/","title":{"rendered":"Widerstand"},"content":{"rendered":"\n<p>Lange Zeit ist die Diskussion um den Widerstand gegen den Nationalsozialismus nun bestimmt gewesen durch das Ringen um Begriffe und Definitionen: aktiver und passiver Widerstand (Dieter Ehlers)<sup>1<\/sup>, Widerstand und Resistenz (Martin Broszat)<sup>2<\/sup>, politische Opposition &#8211; gesellschaftliche Verweigerung &#8211; weltanschauliche Dissidenz (Richard L\u00f6wenthal)<sup>3<\/sup>, Nonkonformit\u00e4t, Dissens und Devianz (u.a. Thamer\/Schl\u00f6gl).<sup>4<\/sup> Zu all diesen und anderen Begriffen<sup>5<\/sup> gibt es auch die positiven Gegenbegriffe: Anpassung, Konformit\u00e4t, Konsens usw. Das Problem ist nur, dass kaum eine Widerstandsgruppe und erst recht kaum ein einzelner \u201eWiderst\u00e4ndler\u201c sich ganz auf einen dieser Begriffe festlegen, sich mit einer dieser Bezeichnungen definieren l\u00e4sst: Zu sehr \u00fcberwiegen die \u00dcberschneidungen, so sehr liegen oft kontr\u00e4r erscheinende Verhaltensweisen in jedem untersuchten Fall neben- und \u00fcbereinander. Die m\u00f6glichen Herausforderungen durch das NS-System treffen auch bei Einzelpersonen und anscheinend homogenen Gruppen auf sehr unterschiedliche Reaktionen und Antworten; Zustimmung und Ablehnung, Mitmachen und Widerstand k\u00f6nnen durchaus parallel, aber abh\u00e4ngig von der speziellen Art der Herausforderung und der Position des potentiellen Gegenspielers zusammen auftreten. Das erschwerte den grunds\u00e4tzlichen und totalen Widerstand, das zwang zu qualvollen Selbstdefinitionen und zweifelvollen Standortbestimmungen. Der kirchliche Widerstand ist daf\u00fcr ein besonders gutes Beispiel: So entschlossen er bei Eingriffen in den innerkirchlichen Bereich, in der Verteidigung von Bekenntnis und Kirchenordnung agieren konnte, so unsicher blieb er in der Beurteilung der nicht direkt kirchlich bezogenen Aktivit\u00e4ten des Regimes und trug sie z.T. begeistert und zustimmend mit &#8211; auch wenn sich vielleicht eine Ahnung (wie eine Form schlechten Gewissens) davon hielt, dass ein totalit\u00e4res Regime mit seinem allumfassenden ideologischen Anspruch auch eine totale Herausforderung f\u00fcr eine christliche Kirche, die ebenfalls und grunds\u00e4tzlich den ganzen Menschen erfassen und gestalten will, bedeuten musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite setzte das Regime die Ma\u00dfst\u00e4be: Wo es sich durch Abstinenz, Ablehnung, Auflehnung und Verweigerung herausgefordert f\u00fchlte, wurde sogar nicht als Widerstand intendiertes Verhalten zur Widersetzlichkeit, zum Affront, zum Reagenz f\u00fcr staatliches Eingreifen. Nicht ohne Grund haben daher Broszat Widerst\u00e4ndigkeit vom Konflikt und Thamer vom Delikt her definiert; damit akzeptieren sie aber auch die Sichtweise des NS-Regimes. Nicht das Wollen des einzelnen oder einer Gruppe, sich zumindest teilweise den Anspr\u00fcchen und Forderungen des Regimes zu entziehen, sondern dessen Einsch\u00e4tzung durch eine misstrauisch-argw\u00f6hnische Regierung setzte die Ma\u00dfst\u00e4be, und so fand sich mancher als Widerst\u00e4ndler eingesch\u00e4tzt und verfolgt, der sich selbst eigentlich gar nicht so sehr im Widerspruch zur Obrigkeit gesehen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ambivalenz widerst\u00e4ndigen Verhaltens zeigt sich auch im Schicksal Kurt Gersteins, und sie wird um so deutlicher, als wir eine F\u00fclle autobiographischer Quellen, zumeist Briefe, von ihm haben, wie sie in dieser Anzahl bei kaum einem anderen Widerst\u00e4ndler vorhanden sein m\u00f6gen. Aber diese Quellen sprechen keine einheitliche Sprache; das liegt an den jeweiligen Zeitumst\u00e4nden, an den Adressaten seiner Briefe und besonders auch an der Person Kurt Gersteins selbst. Kurt Gerstein war ein nicht unbegabter Selbstdarsteller, sein Hang zur gro\u00dfen Pose, die Betonung der Bedeutung seiner Person und seiner T\u00e4tigkeiten im jeweiligen Umfeld d\u00fcrften nicht immer der Wirklichkeit entsprochen haben. Sein Hang zu gro\u00dfen Auftritten, seine finanzielle Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, ja manchmal eine gewisse \u00fcberhebliche Egozentrik sind durchaus bemerkbar. Es fragt sich, ob hier nicht eine Pr\u00e4disposition f\u00fcr seinen Widerstand liegt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_173.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"468\" src=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_173-644x468.jpg\" alt=\"\" data-id=\"310\" data-full-url=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_173.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/gerstein-bericht\/foto_173\/\" class=\"wp-image-310\" srcset=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_173-644x468.jpg 644w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_173-300x218.jpg 300w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_173-768x558.jpg 768w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_173-1536x1117.jpg 1536w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_173.jpg 2012w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Kurt Gerstein in Berchum, 1930er Jahre<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_091.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"491\" src=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_091-644x491.jpg\" alt=\"\" data-id=\"364\" data-full-url=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_091.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/gerstein-bericht\/foto_091\/\" class=\"wp-image-364\" srcset=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_091-644x491.jpg 644w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_091-300x229.jpg 300w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_091-768x585.jpg 768w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_091.jpg 1312w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Kurt Gerstein mit Begleitung im H\u00f6rsaal, ohne Datum<\/figcaption><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p>Aus dem Jungen, der in der Familie und der gro\u00dfen Geschwisterzahl um Anerkennung k\u00e4mpft, wird der Sch\u00fcler, der &#8211; trotz intellektueller Begabung &#8211; eher durch tolle Streiche als durch schulische Leistung auff\u00e4llt, ja auffallen will. Fr\u00fch stellt er sich in Opposition zu den Vorbildern und Leitvorstellungen, die die b\u00fcrgerlich-konservative Welt der Familie und des Familienverbandes Gerstein pr\u00e4gen. Auch in den Sch\u00fclerbibelkreisen und in der Berufsausbildung macht er durch spektakul\u00e4re Aktionen von sich reden, er f\u00e4llt, nicht immer positiv, auf; er will sich unterscheiden, will bemerkt werden, will anders und etwas Besonderes sein. Leicht ist nicht mit ihm auszukommen, und auch gegen\u00fcber Vorgesetzten zeigt er nicht immer den erwarteten Respekt. Ob er sich und seine Situation immer richtig einsch\u00e4tzt, d\u00fcrfte bisweilen fraglich sein; zu gro\u00df ist mitunter die Diskrepanz, etwa in der schwierigen beruflichen Phase nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst als Bergassessor, zwischen seinen hochfliegenden Pl\u00e4nen und der eher kargen Wirklichkeit. Und eher f\u00fchlt er sich verkannt und angefeindet, als dass er die Ursachen daf\u00fcr auch bei sich zu suchen bereit ist. Eine gewisse grundst\u00e4ndige Oppositionshaltung ist bei ihm auch schon vor der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus erkennbar, und sie mag seinen Weg in den Widerstand beg\u00fcnstigt haben. Vielleicht war er viel unsicherer und weniger in sich ruhend, als er sich &#8211; dies kompensierend &#8211; in seinen Briefen und Schriften selbst darstellte; in Pl\u00e4nen und Tr\u00e4umen sah er sich in ganz anderen Positionen, als er sie wirklich bekleidete, und nicht zuletzt im Widerstand als derjenige, der \u00fcbrigblieb und &#8211; vielleicht als einziger &#8211; Zeugnis ablegen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite aber war Kurt Gerstein auch ein die Wahrheit in qu\u00e4lender Selbstpr\u00fcfung Suchender, der sich immer wieder mit den Anforderungen, die er selbst an sich und andere an ihn richteten, auseinandersetzte. Seine Briefe kennen nicht nur den hohen Ton der Selbstrechtfertigung und Kritik an anderen, sondern auch den dunkleren &#8211; und wohl wahreren &#8211; der Auseinandersetzung mit den Erwartungshaltungen seiner Familie und den Forderungen seines Glaubens, ja seines Gottes. Vor allem in dem Brief vom 6. M\u00e4rz 1934 an seinen Freund Alfred Bensch, in dem er diesem seine Zuneigung zu dessen Schwester Elfriede gesteht, gibt er einen ausf\u00fchrlichen und stellenweise schonungslosen Bericht \u00fcber sich, seine jugendlichen Irrwege und seinen Weg zur\u00fcck zum Glauben.<sup>6<\/sup> Hier ist es nicht der gro\u00dfsprecherische, sondern jener andere eher unsichere und suchende Kurt Gerstein, der mit Aufrichtigkeit und Selbsterkenntnis \u00fcber sich spricht. Sein Glauben an Gott, an Christus, ist ein fester und gefestigter, gerade weil er ihn sich schwer erk\u00e4mpft hat, und dieser bleibt auch &#8211; bei aller Unsicherheit und Versuchung im Einzelnen &#8211; der Leitfaden in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Anders als mancher Kirchenf\u00fchrer, auch der Bekennenden Kirche, war Gerstein nicht bereit, hier Abstriche zu machen und Kompromisse einzugehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery aligncenter columns-3 is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_077-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"185\" height=\"300\" src=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_077-185x300.jpg\" alt=\"\" data-id=\"369\" data-full-url=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_077-scaled.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/gerstein-bericht\/foto_077\/\" class=\"wp-image-369\" srcset=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_077-185x300.jpg 185w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_077-644x1042.jpg 644w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_077-768x1243.jpg 768w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_077-949x1536.jpg 949w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_077-1265x2048.jpg 1265w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_077-scaled.jpg 1582w\" sizes=\"auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Portr\u00e4t, 1930er Jahre<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_080-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"183\" height=\"300\" src=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_080-183x300.jpg\" alt=\"\" data-id=\"321\" data-full-url=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_080-scaled.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/gerstein-bericht\/foto_080\/\" class=\"wp-image-321\" srcset=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_080-183x300.jpg 183w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_080-644x1054.jpg 644w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_080-768x1257.jpg 768w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_080-938x1536.jpg 938w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_080-1251x2048.jpg 1251w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_080-scaled.jpg 1564w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_081-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"195\" height=\"300\" src=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_081-195x300.jpg\" alt=\"\" data-id=\"362\" data-full-url=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_081-scaled.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/gerstein-bericht\/foto_081\/\" class=\"wp-image-362\" srcset=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_081-195x300.jpg 195w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_081-644x992.jpg 644w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_081-768x1183.jpg 768w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_081-997x1536.jpg 997w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_081-1329x2048.jpg 1329w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_081-scaled.jpg 1661w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Portr\u00e4t, 1940er Jahre<\/figcaption><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p>Auch im Schriftwechsel mit seinem Vater zeigt sich ein zunehmender Wille zur Unbedingtheit. Die schlichte Beamtenweisheit seines Vaters, man habe eben zu gehorchen, die Verantwortung trage dann der Vorgesetzte, vermag Gerstein immer weniger zu befolgen. Die beiden Briefe vom 5. M\u00e4rz und (undatiert) vom Herbst 1944 zeigen ihn in selbstbewusstem Gegensatz zu seinem Vater: Er wirft ihm vor, die sittlichen Grundlagen, die er selbst der Erziehung seiner Kinder zugrunde gelegt hatte, nun zu verlassen: \u201eWas mir so au\u00dferordentlich schwierig ist, ist dies, zu begreifen, wie dem Zweck so nahezu jede Hemmungen, Begriffe und Massst\u00e4be geopfert werden.\u201c Und er beruft sich auf die Ideale der Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, auf das Gewissen: \u201eM\u00f6gen dem einzelnen auch noch so enge Grenzen gesetzt sein und mag in vielem die Klugheit als die vorherrschende Tugend befolgt werden, niemals d\u00fcrfte der einzelne seine Massst\u00e4be und Begriffe verlieren.\u201c Schlie\u00dflich weist er, der Sohn, den Vater darauf hin, dass auch er f\u00fcr seine Zeit, f\u00fcr das Geschehen in ihr, mit geradestehen m\u00fcsse, und dieser Zeitpunkt k\u00f6nne eher als erwartet kommen.<sup>7<\/sup> Gerstein setzt gegen Pflichtbewusstsein und Verantwortungsflucht des Vaters die eigene Entscheidung, Befehle nicht zu befolgen: \u201eIch habe meine H\u00e4nde zu nichts hergegeben, was mit diesen allem zu tun hat. Wenn ich und soweit ich derartige Befehle erhielt, habe ich sie nicht ausgef\u00fchrt und die Ausf\u00fchrung abgedreht. Ich selbst gehe aus dem ganzen mit reinen H\u00e4nden und einem engelreinen Gewissen heraus. Das ist mir ausserordentlich beruhigend. Und zwar: Nicht aus Klugheit! Was hei\u00dft hier sterben? Sondern aus Prinzip und Haltung: \u2018Habe Du nichts zu schaffen \u2026\u2019\u201c<sup>8<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>So hatte sich Kurt Gerstein letztlich doch von dem zeitweise \u00fcberm\u00e4chtigen Vatervorbild emanzipiert. Die eben zitierten Briefe schickte Ludwig Gerstein, der Vater, am 24. Nov. 1946 an seine Schwiegertochter Elfriede, da sie, wie er glaubte, Kurt Gerstein entlasten w\u00fcrden. Hier gibt der Vater zu, dass Kurt gegen\u00fcber der Maxime des Vaters &#8211; \u201eDie Verantwortung tr\u00e4gt der Befehlende, nicht der Ausf\u00fchrende. Ungehorsam gibt es nicht, Du hast zu tun, was Dir befohlen wird.\u201c &#8211; \u201emit Recht anderer Ansicht\u201c war. Allerdings habe er, der Vater, \u201esolche Scheu\u00dflichkeiten, wie sie sp\u00e4ter aufgedeckt worden sind, nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten\u201c.<sup>9<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch Kurt Gerstein stand nicht in so unbedingter Opposition zu Nationalsozialismus und NS-Staat, wie es die eben zitierten Aussagen vermuten lassen k\u00f6nnten. Auch Kurt Gerstein erlangte erst allm\u00e4hlich die Einsicht in Taktik, Strategie und Ziele des Regimes; immerhin kam er doch schon 1938 in einem Brief an seinen Onkel Robert Pommer und dessen Sohn Robert<sup>10<\/sup>&nbsp;zu einer erstaunlich klarsichtigen Analyse der Situation in Deutschland. Dieser Brief, den Gerstein von einer Mittelmeerreise in die USA schickte, der also nicht die deutsche Zensur durchlief, erlaubte ihm deutliche Worte: Klar erkennt und benennt er den Totalit\u00e4tsanspruch des Nationalsozialismus, der \u201eden Menschen in allen seinem Wesen nach Leib und Seele restlos erfassen und beherrschen\u201c wolle; entsprechend halte man \u201ejede ernsthafte Bindung an Gott f\u00fcr h\u00f6chst \u00fcberfl\u00fcssig und sch\u00e4dlich\u201c. Praktisch unternehme der Nationalsozialismus einen Frontalangriff auf den christlichen Glauben: \u201eEs handelt sich darum auch gar nicht mehr um fr\u00fchere Fronten: Hier Deutsche Christen, dort Bekenntniskirche oder Niem\u00f6ller, sondern darum: soll das deutsche Volk, die deutsche Jugend, weiter in irgend einer ernst zu nehmenden Form etwas von Gott wissen und h\u00f6ren, oder soll sie nur an die Blutfahne, an Kult- und Weihest\u00e4tten, Blut und Boden, Rassen glauben? Soll man in Deutschland wissen, da\u00df Gerechtigkeit &#8211; hier ist wieder dieser f\u00fcr Gersteins Denken so bezeichnende Begriff ein \u00fcbergeordneter, h\u00f6herer Begriff ist, dem Zugriff des Menschen entzogen &#8230; und da\u00df derjenige, der Recht spricht, dies in der Vollmacht und der Verantwortung vor dem H\u00f6chsten Richter tun mu\u00df. Oder ist \u2018Recht das, was dem Volke n\u00fctzt\u2019, ist es eine einfache Zweckm\u00e4\u00dfigkeitssache, ist die Justitia eine Hure des Staates?\u201c Dagegen habe die kirchliche Opposition nur die Rechte zu verteidigen gesucht, die der Kirche vom Staat garantiert worden seien: \u201eWir haben von vornherein den Nationalsozialismus politisch weitestgehend bejaht &#8230; Wir alle haben uns bem\u00fcht, wo wir Widerstand erleben mu\u00dften, nicht den politischen Nationalsozialismus zu treffen &#8230; Aber wir waren der gegen uns anst\u00fcrmenden Unwahrhaftigkeit und verlogenen Zielklarheit leidenschaftlicher Gegner ausgesetzt.\u201c Trotzdem sei Widerstand nicht sinnlos, weil das Regime \u201edas Urteil der \u00d6ffentlichkeit im Ausland und im Inland zu f\u00fcrchten h\u00e4tte. &#8230; So wird das Gewissen der Nation doch einigerma\u00dfen wach gehalten und noch Schlimmeres verh\u00fctet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Schlimmeres verh\u00fcten&#8221; das ist nun ein viel gebrauchtes und mi\u00dfbrauchtes Argument jener, die bei den Nationalsozialisten mitmachten, f\u00fcr das Regime arbeiteten und sich durch vermeintliche oder wahre zumeist kleine oppositionelle Aktivit\u00e4ten so selbst ein Alibi ausstellten. Dass man Widerstand leisten m\u00fcsse, um Schlimmeres zu verh\u00fcten, kehrt dieses Argument, das sonst eben die Anpassung rechtfertigen sollte, so eigentlich um: nur ein geringes Ziel bleibt dem Widerstand, eben Schlimmeres zu verh\u00fcten. Dass dies eben auch einem kirchlich motivierten und beschr\u00e4nkten Widerstand aber nicht gelang, zumal unter den isolierenden Bedingungen des Krieges, als die \u00f6ffentliche Meinung des Auslandes keine Wirkung mehr besa\u00df und im Inland Zensur und Kriegsberichterstattung alles dominierten, musste auch Gerstein angesichts von Euthanasie und Holocaust erfahren. Immerhin war er dann schon wieder einen Schritt weiter als die sonstigen Vertreter der kirchlichen Opposition gegangen: n\u00e4mlich hinein in den Macht- und Terrorapparat der SS.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass seine beruflichen Schwierigkeiten &#8211; 1941 beim Eintritt in die SS war Gerstein 35 Jahre alt, hatte eine Familie zu ern\u00e4hren, aber beruflich immer noch nicht festen Fu\u00df gefa\u00dft &#8211; ihm diesen Entschluss erleichtert haben, muss zugestanden werden. Aber auch das im Gerstein-Bericht genannte Motiv, n\u00e4mlich &#8220;&#8230; auf jeden Fall den Versuch zu machen, in diese \u00d6fen und Kammern hineinzuschauen um zu wissen, was dort geschieht&#8221;, muss akzeptiert werden. Dass Gersteins Karriere in der SS ihn so zielstrebig nach Belzec und Treblinka f\u00fchrte, erscheint selbst, wenn man diesen Entschluss voraussetzt, als kaum glaubhaft, ohne diesen Willen und ohne diese Zielsetzung aber absolut unwahrscheinlich. Gerstein tat diesen Blick in den &#8220;Feuerofen des B\u00f6sen&#8221;, der seine zuk\u00fcnftige Bestimmung endg\u00fcltig entschied: die Versuche, Zyklon-B-Lieferungen umzuleiten, unsch\u00e4dlich zu machen und zu sabotieren, die kirchliche Opposition und das Ausland zu alarmieren, schlie\u00dflich als Zeitzeuge des Schrecklichen zu \u00fcberleben. Das Leiden der Menschen, das er mit ansah, besiegte die auch bei ihm vorhandenen antisemitischen Ans\u00e4tze; er sah nicht mehr den Juden, nur noch den leidenden und sterbenden, den gemordeten Menschen. Dass er weiter in der SS und auf seinem Posten seine Pflicht tat, damit zu Hitlers Krieg beitrug, dass er so auch schuldig wurde, kann angesichts der so einzigartigen Leistung Gersteins kaum gegen ihn eingewandt werden, war dies doch die Voraussetzung f\u00fcr seine Untergrundt\u00e4tigkeit. Diesen Zwiespalt scheint er bewusst getragen haben; letztlich ist er in der franz\u00f6sischen Haft, aber eben erst dort, wo man ihm nicht glauben wollte, an ihm zerbrochen. Peter Steinbach nennt Gerstein nicht ohne Grund &#8220;den Einzelt\u00e4ter im Dilemma des exemplarischen Handelns&#8221;.<sup>11<\/sup><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_054-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"438\" src=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_054-644x438.jpg\" alt=\"\" data-id=\"312\" data-full-url=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_054-scaled.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/gerstein-bericht\/foto_054\/\" class=\"wp-image-312\" srcset=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_054-644x438.jpg 644w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_054-300x204.jpg 300w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_054-768x522.jpg 768w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_054-1536x1044.jpg 1536w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_054-2048x1392.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Aufnahme aus einem Konzentrationslager<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_055.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"843\" src=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_055-644x843.jpg\" alt=\"\" data-id=\"313\" data-full-url=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_055.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/gerstein-bericht\/foto_055\/\" class=\"wp-image-313\" srcset=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_055-644x843.jpg 644w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_055-229x300.jpg 229w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_055-768x1005.jpg 768w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_055-1174x1536.jpg 1174w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_055-1565x2048.jpg 1565w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_055.jpg 1807w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Aufnahme einer Zyklon B Giftgas-Dose<\/figcaption><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein interessanter und vielleicht noch zu wenig beachteter Lebensabschnitt Gersteins &#8211; gerade im Blick auf seine Stellung im und zum Widerstand &#8211; scheint mir die Phase der SS-Ausbildung 1941 zu sein. Gerstein empfand sie als sehr hart, aber bejahte sie auch (\u201eDie H\u00e4rte dieser selbst gew\u00e4hlten Schule \u00fcbertrifft selbst k\u00fchne Erwartungen. Das heisst nicht, dass ich diese H\u00e4rte nicht bejahte.\u201c<sup>12<\/sup>&nbsp;) Sie erinnerte ihn an die Haft in Welzheim, aber trotzdem \u201ekann ich es nicht bedauern, hierher gekommen zu sein. &#8230; Ich erkenne hier, was wesentlich ist.\u201c<sup>13<\/sup>&nbsp;Trotz des mehrfachen Eingest\u00e4ndnisses, \u201eauf seinem schw\u00e4chsten Querschnitt\u201c zu arbeiten, versuchte er durchzuhalten und \u201enur mit Z\u00e4higkeit und Willen &#8211; meiner einzigen Waffe und meinen positivsten Eigenschaften &#8211; \u201c die Ausbildung als bester zu absolvieren.<sup>14<\/sup>&nbsp;Der Stolz auf diese Leistung, auf das Mithalten-K\u00f6nnen trotz seines vergleichsweise hohen Alters machte ihn auch anf\u00e4llig f\u00fcr das Leistungsbewusstsein der SS als einer, wie Gerstein schreibt, \u201eabsoluten Elitetruppe\u201c: \u201eIch hatte insgesamt viel H\u00e4rte und Strenge erwartet. Aber was&nbsp;hier&nbsp;geboten wird, geht \u00fcber das vorstellbare Maass. Da ist &#8211; bewusst &#8211;&nbsp;jede&nbsp;Heereseinheit ein Dreck dagegen. Es geh\u00f6rt ein Unmaas von Z\u00e4higkeit und ein leidenschaftlicher Wille dazu, dies in meinen Jahren zu bestehen. Hier herrscht eine selbst mir, der ich vieles erlebte,&nbsp;beispiellose&nbsp;H\u00e4rte, die das Allerletzte aus dem einzelnen herausholt. &#8230; Dass man dabei selbst auch unendlich viel h\u00e4rter wird, ist eine ganz nat\u00fcrliche Folge. W\u00fcrde man es nicht, w\u00fcrde man zerbrechen.\u201c<sup>15<\/sup>&nbsp;Zu der H\u00e4rte der Ausbildung kam die erste Anschauung dessen, was in den Konzentrationslagern geschah, so etwa in Oranienburg: \u201eHierzu die Nachbarschaft, \u00fcber den Zaun.\u201c<sup>16<\/sup>&nbsp;[ Bei aller Bedeutung dessen, was das Erlebnis von Belzec f\u00fcr Gerstein bedeutete, darf nicht \u00fcbersehen werden, da\u00df er im Rahmen seiner Ausbildung und seiner T\u00e4tigkeit in der SS nat\u00fcrlich schon vorher Konzentrationslager kennenlernte. Allenfalls ein Vernichtungslager konnte noch neu f\u00fcr ihn sein.]<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Ausbildung kam das Interesse, ja die Freude an der \u201eau\u00dferordentlich grossz\u00fcgig gedachten Stellung\u201c,<sup>17<\/sup>&nbsp;an der \u201eunerh\u00f6rt interessanten\u201c T\u00e4tigkeit<sup>18<\/sup>&nbsp;und dem neuen Platz, \u201ewo ich in der Tat ungeheuer viel n\u00fctzen und &#8211; verhindern kann\u201c,<sup>19<\/sup>&nbsp;hinzu, ebenso der schmeichelhafte schnelle Aufstieg in der SS-Hierarchie. Gerstein stand, gerade auch wenn man die Betonung der H\u00e4rte der Ausbildung in seinen Briefen auch ein wenig als Selbststilisierung dessen, der auch solchen Anforderungen gerecht wird, bewertet, in der Gefahr, dem speziellen Leistungsethos der SS zu verfallen, das Hans Buchheim so eindr\u00fccklich beschrieben hat: \u201eIm Alltag der SS entstand aus der Verquickung von Pragmatismus und dem heroischen Prinzip des Kampfes um seiner selbst willen die Verg\u00f6tzung der Leistung um ihrer selbst willen. Tats\u00e4chlich ma\u00dfgebender Wert wurde die Leistungsf\u00e4higkeit schlechthin. Der ideale SS-Mann setzte seinen Ehrgeiz darein, jeden Auftrag auszuf\u00fchren, ohne viel nach dessen Sinn und Berechtigung zu fragen oder sich Rechenschaft \u00fcber die angewandten Mittel zu geben.\u201c<sup>20<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem scheint Gerstein auch in diesem entscheidendem Jahr 1941 und trotz des Gef\u00fchls, eine sinnvolle T\u00e4tigkeit auszu\u00fcben und den Respekt seiner Vorgesetzten gewonnen zu haben, nicht seine Absicht, derjenige zu sein oder zu werden, &#8220;der die Dinge von innen miterlebt habe und darum Zeuge erster Hand sein k\u00f6nne&#8221;, aus dem Auge verloren zu haben.<sup>21<\/sup>&nbsp;Jedenfalls hat er sich so immer wieder gegen\u00fcber Freunden, denen er seinen Wechsel zur SS erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen glaubte, erkl\u00e4rt. Dass er dann tats\u00e4chlich 1942 in die Lager Belzec und Treblinka reisen und die m\u00f6rderische Wirklichkeit der Vernichtungsmaschinerie kennenlernen sollte, hat er selbst als Zufall bezeichnet, der ihn &#8220;an das Ziel f\u00fchrte, in diese Maschinerie den lang ersehnten Einblick zu erhalten. Ich hatte auch nicht die leisesten Bedenken. Denn wenn ich den Auftrag nicht \u00fcbernommen h\u00e4tte, h\u00e4tte ihn ein anderer im Sinne des SD ausgef\u00fchrt.<sup>22<\/sup>&nbsp;Dass hier ein Zufall seinem Sinnen und Trachten zuhilfe kam, mag Gerstein als Best\u00e4tigung seiner pers\u00f6nlichen Mission und seines speziellen Sabotage-Auftrags empfunden haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt die Frage nach Gersteins Stellung in der Bekennenden Kirche. Hier wirkt er eher randst\u00e4ndig; sein Bem\u00fchen um die Jugend war zwar auch eine Sorge der BK, doch stand zun\u00e4chst der Kampf um die verfasste Kirche im Mittelpunkt. Auch schien mit der Eingliederung der evangelischen Jugendverb\u00e4nde in die Hitler-Jugend zumindest der Kampf um eine eigene kirchliche Jugendorganisation schon fr\u00fch entschieden und verloren zu sein. Der &#8220;seltsame Heilige&#8221;, wie sogar der ihm eigentlich noch am ehesten geistesverwandte Martin Niem\u00f6ller Gerstein nannte, wurde von den offiziellen Kirchenf\u00fchrern vielleicht sogar nicht immer ganz ernst genommen: Zu sehr unterschieden sich Gersteins leidenschaftliche Sprache, sein Engagement und Temperament, sein Einsatz f\u00fcr die sexualp\u00e4dagogische Schriftenmission, ja eine gewisse Undiszipliniertheit von ihrer Kunst vorsichtiger, oft theologisch verbr\u00e4mter Formulierungen, von ihrer behutsamen Taktik und zur\u00fcckhaltenden Kompromissbereitschaft. Und oft m\u00f6gen sie in Gerstein nur den l\u00e4stigen Bittsteller um Geld f\u00fcr eine zwar wichtige, aber nicht gerade erstrangige Sache gesehen haben. Nat\u00fcrlich kannte Gerstein viele der f\u00fchrenden BK-Leute und wusste sich diese Tatsache zunutze zu machen, aber gelegentlich scheint er auch hier die Enge der Kontakte \u00fcbertrieben dargestellt zu haben.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"402\" src=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_103-644x402.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-347\" srcset=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_103-644x402.jpg 644w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_103-300x187.jpg 300w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_103-768x479.jpg 768w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_103-1536x958.jpg 1536w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_103-2048x1278.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><figcaption>Kurt Gerstein w\u00e4hrend seiner Ausbildungszeit<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Auch was den Kirchenkampf angeht und vor allem das Schicksal der evangelischen Jugendarbeit, sah Gerstein relativ klar den Konflikt voraus. Dies machen etwa die zwei Briefe vom 7.7. und 14.8.1933 an seinen Freund und Mitstreiter Egon Franz deutlich.<sup>23<\/sup>&nbsp;Dass die HJ alle Jugendlichen beanspruchen w\u00fcrde, war ihm klar, und er brachte der HJ durchaus Sympathien entgegen. Aber ebenso klarsichtig sah er den entscheidenden Unterschied, n\u00e4mlich die fehlende christliche Grundlage der HJ-Erziehung, ja ihre bewusst antireligi\u00f6se Ausrichtung. Deshalb f\u00fchlte er sich getrieben, die &#8220;unsichtbare Kirche&#8221; mit einer &#8220;Kernjungmannschaft&#8221; zu bilden und die sichtbare Kirche den anderen, &#8220;damit sie darin ihr Trara, ihre &#8216;Massenmission&#8217; machen k\u00f6nnen&#8221;, zu \u00fcberlassen.<sup>24<\/sup>&nbsp;Eine solche &#8220;immer mehr verflachende Einheits-Staats- und Reichskirche&#8221; w\u00fcrde zu einem Instrument des Staates werden; dies sei das Ende der &#8220;protestantisch-evangelischen Kirche um das Wort Gottes herum&#8221;. Die Gefahr einer Jugend, die ohne Kontakt zu Christus aufw\u00e4chst, und eines Volkes ohne Gott beschw\u00f6rt er eindringlich: Das Christentum sei immer eine &#8220;\u00e4rgerliche Sache&#8221;; aber nur in dem Bewusstsein der Verpflichtung vor Gott k\u00f6nne das B\u00f6se bek\u00e4mpft werden; Gott werde letztlich ein gottlos gewordenes Volk vernichten: &#8220;Gott l\u00e4sst sich nicht spotten.&#8221; In diesem grundlegenden Kampf zwischen Gut und B\u00f6se, Gott und Gottlosigkeit versucht Gerstein seine Position zu bestimmen: &#8220;So fest wie m\u00f6glich auf dem Boden des Nationalsozialismus stehen (z.B. speziell bei mir: an der geistigen Arbeit zur nationalsozialistischen Durchdringung der Wirtschaft mitk\u00e4mpfen.) Aber unter allen Umst\u00e4nden sich z\u00e4h anklammern an die Bekenntnisgrundlagen der Kirchen und da &#8211; ohne R\u00fccksicht auf irgend eine \u00e4ussere Macht oder auch Entwicklung &#8230; nicht auch nur um Fingerbreite nachgeben.&#8221;<sup>25<\/sup>&nbsp;Und am 18.3.1934 ebenfalls an Egon Franz: &#8220;In mir w\u00e4chst, im Gegensatz zu mancher fr\u00fcherer Feigheit, Sch\u00fcchternheit und Zur\u00fcckhaltung, mehr und mehr der Mut, jedermann ein ganz klares Zeugnis abzulegen: Jesus Christus&nbsp;der&nbsp;Herr! Das zu bezeugen wird mir ein immer mehr unausweichbares Muss.&#8221;<sup>26<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist eine ganz andere, wenn auch pers\u00f6nlichere Sprache, und selbst wenn man Gersteins Hang zur packenden Formulierung, zum starken Wort in Rechnung stellt, wird doch die ganz pers\u00f6nliche Ergriffenheit, das Ergriffensein von einer Aufgabe, die sich aus der Sorge um Jugend und Volk ergibt, fassbar. Das ist mehr als das kirchenpolitisch bestimmte Taktieren vieler in der BK: Gerstein sieht sehr klar sowohl die augenblickliche Sachlage als auch den unausweichbaren Grundkonflikt zwischen (einem Teil des?) Nationalsozialismus (so er sich denn nicht \u00e4ndern l\u00e4sst) und der christlichen Kirche. Und er zieht auch ganz pers\u00f6nlich die Konsequenzen, indem er sich um jeden der ihm anvertrauten Jugendlichen k\u00fcmmert, ihnen schreibt, ganze Sonntage mit Konfirmandenunterricht, Kindergottesdienst, Bibelarbeit verbringt, pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che f\u00fchrt usw. Hierhin geh\u00f6rt auch seine publizistische T\u00e4tigkeit, mit der er die Jugendlichen erreichen wollte, die er nicht pers\u00f6nlich treffen konnte. Auch wenn seine Ansichten auf dem Gebiet des sexuellen Jugendschutzes heute (und vielleicht schon damals) altfr\u00e4nkisch anmuten, so lag doch eine gewisse Sensation darin, dass er in einer Zeit, in der Gott zunehmend f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig gehalten wurde, mit Ernst und \u00dcberzeugung auf die zentrale Bedeutung des Christseins f\u00fcr die Gestaltung des eigenen Lebens hinwies. &#8211; Dass von diesem letztlich radikalen Standpunkt her Gerstein nicht immer in der Lage war, den offiziellen BK-Kurs mitzugehen und an manchen Entscheidungen und Kompromissen Kritik \u00fcbte, ist leicht einsichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Versucht man, an Hand der vorhandenen (und einiger der hier zitierten) Quellen sich ein Bild von Kurt Gerstein und eine m\u00f6glichst begrifflich abgesicherte Einsch\u00e4tzung seines Widerstandes zu machen, so liegen die Schwierigkeiten auf der Hand: die Widerspr\u00fcche in der Person und in der Zeit erschweren ein einheitliches Urteil, und die am Anfang genannten Begriffsbestimmungen von Widerstand scheinen nicht recht zu passen. Vielleicht ist ein prozessualer Widerstandsbegriff, wie ihn auch Peter Steinbach einmal gefordert hat, angemessener, der sich jeweils an die ver\u00e4nderte Zeit- und Bewusstseinslage anpasst und sich auf die pers\u00f6nlichen wie politischen Voraussetzungen m\u00f6glichen Widerstandes hin orientiert. Auch Gersteins Lebensweg verl\u00e4uft ja nicht gradlinig auf ein einziges Lebensziel hin; immer wieder wechseln Zeiten des Z\u00f6gerns, der Ziellosigkeit und eines unsteten Sich-Treiben-Lassens mit Perioden entschlossenen Handelns, wo ihm dann alles zu gelingen scheint. Vielleicht ist das eines der Geheimnisse der Person Gersteins: das lange, unentschlossenen Suchen nach dem richtigen Weg, dann aber das zielstrebige und entschlossene Handeln. Damit h\u00e4ngen vielleicht auch die wechselnden Gesichter, die uns Kurt Gerstein zeigt, urs\u00e4chlich zusammen: das spr\u00f6de Verschlossensein, das Sich-Absondern, der Wunsch nach Stille und F\u00fcr-Sich-Sein, und auf der anderen Seite das Streben nach Zusammensein mit seinen Jungen, das Suchen nach Gemeinschaft, die enge Verbundenheit mit Freunden, ja ein Charme und ein Charisma, die ihn \u00fcberall zum Mittelpunkt machten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_161-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"423\" src=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_161-644x423.jpg\" alt=\"\" data-id=\"327\" data-full-url=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_161-scaled.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/gerstein-bericht\/foto_161\/\" class=\"wp-image-327\" srcset=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_161-644x423.jpg 644w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_161-300x197.jpg 300w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_161-768x505.jpg 768w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_161-1536x1010.jpg 1536w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_161-2048x1347.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Kurt Gerstein mit Jungen in BK-Kluft<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_177.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"404\" src=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_177-644x404.jpg\" alt=\"\" data-id=\"328\" data-full-url=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_177.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/gerstein-bericht\/foto_177\/\" class=\"wp-image-328\" srcset=\"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_177-644x404.jpg 644w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_177-300x188.jpg 300w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_177-768x481.jpg 768w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_177-1536x963.jpg 1536w, http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/wp-content\/uploads\/foto_177.jpg 2021w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Kurt Gerstein in Berchum<\/figcaption><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Rebellische, das schon den Sohn und Sch\u00fcler auszeichnete, scheint ein Grundzug seines Wesens zu sein. Es verhindert die vorbehaltlose \u00dcbernahme vorgegebener Meinungen, \u00dcberzeugungen und Glaubensinhalte. Gerstein beansprucht gerade zwischen den Lagern der Bekennenden Kirche und des Nationalsozialismus seinen eigenen Platz, und er findet ihn auf der Grundlage eines eigenen Glaubenserlebnisses, einer Glaubens\u00fcberzeugung, in deren Mittelpunkt ein alttestamentlich strenger, fordernder und strafender Gott steht. Des Widerspruchs zwischen dessen unabdingbarem Anspruch und der Unzul\u00e4nglichkeit des Menschen war sich Gerstein schmerzhaft bewusst. Das Gef\u00fchl, sich rechtfertigen zu m\u00fcssen, hat ihn nie verlassen; immer wieder hat er sich selbstqu\u00e4lerisch gepr\u00fcft. Sein Streben nach Sauberkeit, nach k\u00f6rperlicher und moralischer Hygiene, der Wunsch, selbst im Geschehen der NS-Massenvernichtungs-maschinerie \u201ereine H\u00e4nde\u201c zu behalten, seine Jungen vor Gottlosigkeit und sittlicher Verderbheit zu bewahren &#8211; all dies geh\u00f6rt zum Bild eines geforderten und sich selbst fordernden Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Gerstein lange auch an das Gute im Nationalsozialismus, oder besser: an das Gute auch in Nationalsozialisten geglaubt hat, darf nicht verwundern: Politisch erf\u00fcllte der Nationalsozialismus die W\u00fcnsche eines konservativ-nationalen B\u00fcrgertums, aus dem auch Gerstein kam, und er band viel und vor allem jugendlichen Idealismus, den auch Gerstein hoch einsch\u00e4tzte, in welchem Lager auch immer. In den Jahren des Nationalsozialismus aber erstarkte seine Einsicht in die grundlegende Gottferne von Ideologie und NS-Staat &#8211; eine um so ersch\u00fctterndere Erkenntnis, als eben der Glaube an Gott und seine Gerechtigkeit ein, vielleicht&nbsp;der&nbsp;Kern von Gersteins Weltauffassung war. Was er in der SS erlebte, f\u00fchrte ihn dann zu einem verdeckten, aber nichtsdestoweniger aktiven Widerstand, den er bis zum Schluss durchhielt: ein SS-Offizier, der kriegswichtige Arbeit tat, aber gleichzeitig sabotierte und informierte. Mehr konnte er nicht tun, und was er tat, blieb weitgehend folgenlos. Als SS-Offizier verlor er den Anschluss an die BK, nicht die Verbindung zu einzelnen BK-Mitgliedern, und er fand nicht den Kontakt zu anderen Widerstandsgruppen. Er blieb allein, ein Einzelt\u00e4ter, und f\u00fchrte ein Leben &#8220;auf des Messers Schneide&#8221;. &#8220;Resistent&#8221; gegen\u00fcber dem Nationalsozialismus war er nicht immer und nicht von Anfang an, \u00d1verweigert\u00ec hat er sich zun\u00e4chst nur partiell und sektoral, aber er fand in der Konfrontation mit dem Massenmord doch zu der einzigartigen und nur ihm m\u00f6glichen Widerstandst\u00e4tigkeit, f\u00fcr die uns nun doch letztlich der Begriff fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p>(Prof. Dr. Bernd Hey)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-small-font-size\">Anmerkungen:<br>1 Dieter Ehlers, Technik und Moral einer Verschw\u00f6rung. 20. Juli 1944, Frankfurt a.M.\/Bonn 1964<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">2 Martin Broszat, Resistenz und Widerstand. Eine Zwischenbilanz des Forschungsprojekts, in: Martin Broszat\/Elke Fr\u00f6hlich\/Anton Grossmann (Hrsg.), Bayern in der NS-Zeit IV: Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt, Teil C, M\u00fcnchen\/Wien 1981, S. 691-709<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">3 Richard L\u00f6wenthal, Widerstand im totalen Staat, in: Richard L\u00f6wenthal\/Patrik von zur M\u00fchlen (Hg.), Widerstand und Verweigerung in Deutschland 1933 bis 1945, Berlin\/Bonn 1982, S. 11-24<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">4 Rudolf Schl\u00f6gl\/Hans-Ulrich Thamer (Hrsg.), Zwischen Loyalit\u00e4t und Resistenz. Soziale Konflike und politische Repression w\u00e4hrend der NS-Herrschaft in Westfalen, M\u00fcnster 1996<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">5 Die besten \u00dcberblicke in den Sammelb\u00e4nden von Peter Steinbach \u201eDer Widerstand gegen den Nationalsozialismus\u201c (mit J\u00fcrgen Schm\u00e4deke), M\u00fcnchen 1985, \u201eWiderstand\u201c, K\u00f6ln 1987, \u201eWiderstand gegen den Nationalsozialismus\u201c (mit Johannes Tuchel), Bonn 1994, sowie \u201eWiderstand im Widerstreit\u201c, Paderborn 1994, hier vor allem S. 39 ff \u201eDer Widerstand als Thema der politischen Zeitgeschichte. Ordnungsversuche vergangener Wirklichkeit und politischer Reflexionen\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">6 LKA BI (= Landeskirchliches Archiv Bielefeld) 5,2 NS 65a (5,2= Kurt-Gerstein-Archiv, NS= Neue, AS=Alte Sammlung)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">7 LKA BI 5,2 NS 29<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">8 LKA BI 5,2 NS 1<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">9 LKA BI 5,2 AS 59, Fasc. 1<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">10 LKA BI 5.2 NS 35<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">11 Peter Steinbach, Kurt Gerstein. Der Einzelt\u00e4ter im Dilemma des exemplarischen Handels, in: JbWfKg 91, 1997, S. 183-197<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">12 LKA BI 5,2 NS 92<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">13 LKA BI 5,2 NS 98<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">14 LKA BI 5,2 NS 128<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">15 LKA BI 5,2 NS 100\/130<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">16 LKA BI 5,2 NS 45<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">17 LKA BI 5,2 NS 131<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">18 LKA BI 5,2 NS 122<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">19 LKA BI 5,2 NS 198<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">20 Hans Buchheim, Befehl und Gehorsam, in: Buchheim\/Broszat\/Jacobsen\/Krausnick, Anatomie des SS-Staates, Bd.1, M\u00fcnchen 1967 (dtv 462), S. 241<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">21 J\u00fcrgen Sch\u00e4fer, Kurt Gerstein &#8211; Zeuge des Holocaust. Ein Leben zwischen Sch\u00fclerbibelkreisen und SS (Beitr\u00e4ge zur Westf\u00e4lischen Kirchengeschichte, Bd. 16), Bielefeld 1998<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">22 ebd.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">23 LKA BI 5,2 NS 177 u. 178<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">24 LKA BI 5,2 NS 177<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">25 LKA BI 5,2 NS 178<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">26 LKA BI 5,2 NS 183<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange Zeit ist die Diskussion um den Widerstand gegen den Nationalsozialismus nun bestimmt gewesen durch das Ringen um Begriffe und Definitionen: aktiver und passiver Widerstand (Dieter Ehlers)1, Widerstand und Resistenz (Martin Broszat)2, politische Opposition &#8211; gesellschaftliche Verweigerung &#8211; weltanschauliche Dissidenz (Richard L\u00f6wenthal)3, Nonkonformit\u00e4t, Dissens und Devianz (u.a. Thamer\/Schl\u00f6gl).4 Zu all diesen und anderen Begriffen5 gibt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":102,"parent":0,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"page_fullwidth.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-21","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21"}],"version-history":[{"count":37,"href":"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":391,"href":"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21\/revisions\/391"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/102"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kurt-gerstein.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}