Informationen zur Ausstellung Kurt Gerstein (1905 - 1945) - Widerstand in SS-Uniform

und zum Film "Der Stellvertreter" von Costa-Gavras (2002 in den deutschen Kinos)  

 

Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit des Landeskirchlichen Archivs Bielefeld, der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin und des Förderkreises Kurt Gerstein entstanden. Zunächst in der Gedenkstätte Berlin, ist sie bisher mit großem Erfolg in vielen deutschen Städten und auch in der französischen Hauptstadt Paris gezeigt worden. Sie würdigt die Person des SS-Obersturmführers Kurt Gerstein, der eine der interessantesten Gestalten des deutschen Widerstandes im Nationalsozialismus ist.  

 

Gerstein (geboren 1905 im westfälischen Münster) studierte nach dem Abitur Bergbau und wurde Dipl.-Ingenieur und Bergassessor. Als Mitglied der Bekennenden Kirche war er einer der Führer der deutschen Schülerbibelkreise und legte sich bald mit den nationalsozialistischen Machthabern zunächst auf dem Gebiet der Kirchenpolitik an. Propaganda für die Bekennende Kirche führte zur zweimaligen Verhaftung, zum Ausschluss aus der NSDAP und zum Berufsverbot. Gerstein schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch und fing an, in Tübingen Medizin zu studieren. 1941 entschloss er sich zum Eintritt in die SS, um einen Blick hinter die Kulissen in die „Feueröfen des Bösen“ zu tun und Genaueres über die Euthanasie und die Judenvernichtung zu erfahren. Als Leiter der Abteilung Gesundheitstechnik im SS-Hygieneamt machte er schnell Karriere. Im August 1942 erlebte er in Belzek und Treblinka die Vergasung von Juden, worauf er sofort begann, die schwedische und die schweizerische Botschaft, deutsche Kirchenführer und über den holländischen Widerstand die Alliierten in London zu informieren. Ferner versuchte Gerstein, Zyklon B-Lieferungen über sich selbst zu lenken und sie zu sabotieren. Diese Widerstandshandlungen sind zuverlässig bezeugt, auch wenn sie am Ende ergebnislos bleiben. Bei Kriegsende stellte sich Gerstein der französischen Armee und schrieb in der Internierung seinen berühmten Augenzeugenbericht über die von ihm beobachteten Gräuel in Belzek und Treblinka. Als Kriegsverbrecher angeklagt wurde er in das Pariser Militärgefängnis Cherche-Midi überführt, wo er – an dem Widerspruch zwischen seiner Rolle als Zeuge der Naziverbrechen und der Anklage, selbst an Kriegsverbrechen teilgenommen zu haben, zerbrochen – am 25. Juli 1945 Selbstmord beging. Sein Grab ist nicht bekannt.

 

Die Einstufung als Mitläufer und Mittäter hat Gerstein auch in der Nachkriegszeit lange begleitet; erst 1963 wurde er rehabilitiert. Seine Rolle als Widerstandskämpfer wurde immer mehr anerkannt; biographische Arbeiten wurden über ihn geschrieben und seine Rolle auch in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand gewürdigt.

 

Vor allem Rolf Hochhuths Stück "Der Stellvertreter" (1963) trug zur Rehabilitierung Gersteins bei. Auf diesem Stück beruht der am 30. Mai 2002 in die deutschen Kinos kommende Spielfilm von Costa-Gavras "Der Stellvertreter", in dem Kurt Gerstein nun ganz im Mittelpunkt steht. Der Film nimmt sowohl fiktive Elemente (so Gersteins Vorstoß gegen die Judenvernichtung beim Vatikan und bei Papst Pius XII.) als auch Fakten aus dem Leben Gersteins auf. Gespielt wird Kurt Gerstein im Film von Ulrich Tukur.

 

Mit Ausstellung und Film begegnen sich die Gestalt der Zeitgeschichte Kurt Gerstein und die fiktive Person Kurt Gersteins; bei aller "Zwiespältigkeit des Guten" hat so der "Spion Gottes" und "Zeuge des Holocaust" Kurt Gerstein (so drei Buchtitel seiner Biographien) endlich die verdiente öffentliche Anerkennung gefunden.

 

Die Ausstellung "Kurt Gerstein - Widerstand in SS-Uniform" wurde im Jahr 2000 in Berlin, Münster, Hagen und Bielefeld gezeigt. 2001 war sie in Bochum, Tübingen, Stadtallendorf und Neuruppin zu sehen. 2002 folgten Detmold, Paris, Bielefeld, Bochum, Tübingen (Hintergrund-Informationen auf dem Neckar-Alb-Citynetz), Wernigerode, Nordhorn, Ulm, Bad Boll, Oelsnitz und Minden als Ausstellungsorte. 2003 war sie u.a. in Bielefeld (Bethel), Iserlohn, Öhringen, Aalen, Bensheim und Stuttgart zu sehen.

 

Zur Ausstellung ist ein Begleitbuch erschienen: 

Bernd Hey und Matthias Rickling: 

Kurt Gerstein (1905-1945) - Widerstand in SS-Uniform, 

Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2000, 

ISBN 3-89534-328-5

 


Impressionen von Ausstellung und Deutschlandpremiere des Films in Bielefeld

 

Costa-Gavras

 

Costa u. Mühe

 

Hey und Costa

 

Ausstellung      

 

 


Impressionen von der Gerstein-Ausstellung im Staatsarchiv Detmold